Exposiciones

Die Kunst des Gedächtnisses || Various Artists
05-09-2008 / 15-10-2008

Am Anfang stand ein Bild. Es zeigt den Alten Turm der Gedächtniskirche und die ihn umgebenden Gebäude, künstlerisch umgesetzt in einer Mischung aus Pigment, Kohle, Bleistift, etwas Öl und großflächigem Radiergummieinsatz von der in Madrid lebenden Künstlerin Emily Pütter. Die Versteigerung des Werkes im Schloss Charlottenburg zu Beginn des Jahres führte zu der Idee, ein internationales Kunstprojekt zu realisieren, mit dem die Sanierung eines außergewöhnlichen Bauwerkes unterstützt wird.

„Die Kunst des Gedächtnisses“ stellt ein bedeutendes Berliner Mahnmal in den Mittelpunkt – die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche. Sie ist ein populäres Wahrzeichen Berlins und zugleich ein wichtiges Symbol für Frieden, Koexistenz, Multikulturalität und Offenheit, Eigenschaften, die Berlin zu dem machen, was es heute ist. Die Ruine des Glockenturms steht als Mahnung für den Frieden, der gerade in dieser Zeit nicht selbstverständlich ist und immer gefährdet bleibt.

12 internationale und ein nationaler Künstler wurden eingeladen, sich in ihren Werken künstlerisch mit dem wilhelminischen Bauwerk auseinander zu setzen, darunter bekannte Vertreter der zeitgenössischen Kunstszene wie der Berliner Bildhauer Rolf Biebl , der spanische Maler Rafael Mundi ,die italienische Konzept- Künstlerin Angiola Bonanni oder der spanische Dichter Antonio Bueno Tubía, der hier auch seine malerische Facette zeigen wird aber auch junge, aufstrebende Künstler wie Adnan Kalkanci aus der Türkei oder Shon So Young aus Korea ...Die Ergebnisse – beeindruckende malerische, poetische und musikalische Ansichten auf ein bekanntes Wahrzeichen – sind vom 5. bis zum 21. September, täglich 10 – 19 Uhr, in der Kapelle der Gedächtniskirche zu sehen. Nach der Schau werden die Kunstwerke durch das weltweit älteste Kunsthaus „Christie‘s“ zu Gunsten der Sanierung des Turmes versteigert. Auch die Kapelle selbst wird zum Kunstwerk: Mit einer Installation von sogenannten Powermoons – künstlich beleuchteten Ballons, die sonst vor allem bei Nachtarbeiten im Straßenbau eingesetzt werden – sorgt Emily Pütter für ein großes leuchtendes Ausrufezeichen.

Beteiligte Galerien:
Gleichzeitig sind in den Galerien AB Project, Torstr.96 www.ab-project-berlin.com, Galerie Raab , Fasanenstr.27 www.raab-galerie.de, Galerie Siguaraya , Kleine Hamburgerstr.2 www.siguaraya-gallery.com weitere Werke der 12+1 Künstler zu sehen . In der Galerie Alexander Friedmann - Hahn, Wielandstr.14 wird ein „Turmzimmer“ eingerichtet mit weiteren Türmen www.galeriefriedmann-hahn.com . Alle Galerien spenden 10% des Verkauferlöses für die Rettung des Turmes und spenden weitere Werke aus ihren Beständen zur Auktion.

Zur Eröffnung am 4. September ab 20 Uhr wird das Tiefenrauschorchester T.R.O. mit Leo Königsberg , hier als Musiker und seinem Space-Cello – einem aus Metallschrott gefertigten voll funktionstüchtigen Instrument – im und am Alten Turm der Gedächtniskirche eine Komposition von Christian Glass mit dem Gedicht von Antonio Bueno Tubia uraufführen.
Organisiert wurde das ambitionierte Kunstprojekt von den beiden Künstlern Emily Pütter und Leo Königsberg von Factory-Berlin, einer Kunstfabrik, die ihren Sitz in einem großen, zum europäischen Industriekulturerbe zählenden Gelände (AEG in Oberschöneweide) hat, das zur gleichen Zeit wie die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche entstanden ist. Factory-Berlin sieht in der Verbindung von Kunst und dem wilhelminischen Turm die Symbolik einer modernen Stadt verwirklicht, die sich ihres ständigen Wandels bewusst ist.

Beteiligte Künstler:

Sergio Sundblad aus Argentinien, der noch nie in Berlin war, aber mit religiösen Symbolen arbeitet, steht für den Blick aus weiter Ferne.

Rafael Mundi war ebenfalls noch nie in Berlin. Die wesentlichen Themen seiner Arbeit sind die europäische Nachkriegsgeneration und die Notwendigkeit des Erinnerns von Spanien aus, das Übungsfeld zum zweiten Weltkrieg war.

Oleg Ikona aus Russland, ansässig in London, malt Ikonen mit zeitgenössischen Inhalten und integriert so den Turm in eine östliche, orthodoxe Tradition - und das mit viel Humor.

Leo Königsberg, als Österreicher, hat Berlin als seine neue Heimat angenommen und zeigt den Turm aus dieser Perspektive: nah und doch mit perspektivischer Distanz.

Adnan Kalkanci lebt als staatenloser Kurde seit über zehn Jahren in Berlin. Er nutzt die Möglichkeit, seine Erfahrung mit den Gräueln des Krieges auch dort, wo er jetzt lebt, umzusetzen und somit seinen Beitrag zum Frieden zu leisten.

Angiola Bonanni aus Italien war bereits mehrmals in Berlin, hat hier gearbeitet und ausgestellt. Ihr Blick auf die Symbole dieser Stadt ist schon in ihrer Familiengeschichte angelegt.

Maddy Rosenberg, jüdische Künstlerin aus New York, beschäftigt sich von jeher in ihrem „portablen“ Werk mit der Geschichte, die architektonische Details erzählen.

Für Iwona Cur als Polin und direkte Nachbarin ist es eine Herausforderung, sich mit einem westlichen, wilhelminischen und durch den 2. Weltkrieg beschädigten Bauwerk zu befassen.

Rachel Lumsden, eine Britin, die im Moment in der Schweiz ansässig ist und ab 1. September 2008 ein Stipendium in Berlin hat, befasst sich aus der Ferne mit dem, was ihre eigene Zukunft sein wird: Berlin gegoogelt.

Shon So Young, der aus Korea die Problematik einer ideologisch geteilten Welt bereits bekannt ist, begibt sich mit asiatischer Tuschtechnik an diesen Turm.

Für Christoff Baron aus Frankreich ist die Kirche heute ein Ort der Wiederauferstehung in weltlicher Form: nämlich des Gedächtnisses, in diesem Fall der Geschichte des Turmes.

Antonio Bueno Tubia aus Spanien hat extra zu diesem Turm ein Gedicht „Einsteigen, bitte!“ geschrieben und dazu ein Bild gemalt. In der Kapelle ist es mit dem Gedicht zusammen in einer Installation zu sehen und zu lesen und wird zur Ausstellungseröffnung zusammen mit dem Tiefenrauschorchester in einem Konzert aus dem alten Turm zu hören sein.
Er hat schon viele Gedichtbücher publiziert, de sich auch mit Berlin befassen.

Rolf Biebl zeigt den Blick eines Künstlers aus Ostberlin auf das Westberliner Wahrzeichen, das nur durch die Augen auch des Ostteils der Stadt wieder zu einem Symbol für ganz Berlin werden kann.


Wir danken den Unterstützern unseres Projektes: Evang. Kirchenkreis Berlin-Charlottenburg,
Berliner Bank, Christie‘s, Faces of Theatre, Berliner Verkehrsbetriebe, GSE gGmbH, Berliner Stadtreinigung, NH Hotels, Hotel Ellington, KünstlerMagazin, Kaiserwetter, Druckhaus Mitte, Michael Bork Rahmengalerie, Wertheim, Friseur Daumann`s in der Bleibtreustraße 7, Jürgen Noelle von Powermoon, den Botschaften der Republiken Argentinien und Polen, des Königreichs Spanien und der Vereinigten Staaten von Amerika, Photoacademy Urbschat, Christine Haas (Organisation) von der Factory-Berlin, Martin Germer und Roland Strehlke von der Stiftung Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche sowie Hanns Peter Nerger und der Berlin Tourismus Marketing GmbH.
www.lucascarrieri.com
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